Johann Baptist Kirner

AUSSTELLUNG: Das Augustinermuseum präsentiert bis 27. März 2022 den zweiten Teil der umfangreichen Kirner-Werkschau und vereint erstmals nahezu den gesamten Gemäldebestand des Furtwanger Künstlers unter dem Titel „Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben“.

Die Gemälde von Johann Baptist Kirner (1806–1866) sind so lebendig, dass man das Lachen der spielenden Kinder, das Weinen des Hirten und das Klirren der Gläser förmlich hören kann. Bei den Zeitgenossen sind seine humorvollen Bilder äußerst beliebt. Der badische Großherzog macht Kirner gar zu seinem Hofmaler. Wie konnte der einst berühmte Künstler in Vergessenheit geraten? Tilmann von Stockhausen, Direktor des Augustinermuseums: „Die Kunstgeschichte hat sich lange mehr für Historienmalerei als für den Alltag der einfachen Menschen interessiert, sogenannte Genrebilder waren weniger angesehen. Doch genau diese Geschichten aus dem Leben machen Kirner für uns heute interessant und aktuell.“ Auch wenn er lange in München lebt – die Schwarzwälder Heimat zieht sich thematisch durch Kirners Werk. Die Schwarzwaldstube, in der Menschen arbeiten, feiern und leben, nutzt er gerne als Bühne für seine Bild-Geschichten. Seine Gemälde unterhalten nicht nur, sie geben auch Aufschluss über den Alltag im 19. Jahrhundert, über Arbeit und Tracht.
Neben dem heimatlichen Schwarzwald gilt Kirners Liebe Italien. Mehrere Jahre lebt er in Rom, wo er sich mit seinem Künstlerfreund Franz Xaver Winterhalter ein Atelier teilt. Die südliche Landschaft und das Licht verändern seinen Malstil. Vor allem aber faszinieren ihn Lebensweise und Tradition der italienischen Landbevölkerung.
Wer nun meint, Kirner beschränke sich auf das idyllische Landleben, irrt. Die in ganz Europa turbulenten Revolutionsjahre um 1848 greift er mehrfach auf. In Gemälden wie „Die Erschießung eines Schwarzwälders“ oder „Ein badischer Freischärler mit seinen beiden Ordonnanzen“ erzählt er von den kriegerischen Seiten dieser Zeit.
Die Schau versammelt zahlreiche Leihgaben, unter anderem aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, dem Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen, der Kunsthalle Bremen, der Hamburger Kunsthalle und dem Lettischen Nationalen Kunstmuseum in Riga. Dazu kommen viele Leihgaben aus Privatbesitz und Werke aus dem eigenen Bestand.
Insgesamt sind rund 120 Arbeiten ausgestellt, darunter 33 Gemälde zusammen mit zahlreichen malerischen und zeichnerischen Vorstudien. Eines der Hauptwerke Kirners, das Gemälde „Spielende Kinder“, hatte der Freundeskreis dem Augustinermuseum im Vorfeld der Ausstellung geschenkt.

INFO: Bis 27.3.22, Augustinermuseum am Augustinerplatz Freiburg. Führungen: sonntags um 10.30 Uhr. Anmeldung Tel. 0761/201-2501 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! jew. bis zum vorhergehenden Donnerstag, 15 Uhr. Der erste Teil der Doppelausstellung mit Zeichnungen und Studien Kirners läuft noch bis zum 30. Januar 2022.

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