AUSSTELLUNG: Die Kunstausstellung „Voll unfair!“ im Museum Natur und Mensch Freiburg widmet sich bis zum Januar 2027 der Kakao- und Zementproduktion.
(Foto: Patrick Seeger)Das Thema
Globale Märkte und lokale Lebenswelten sind eng miteinander verbunden. Die Ethnologische Sammlung des Museums Natur und Mensch nimmt in der Ausstellung „Voll unfair!“ zwei sehr unterschiedliche Produkte in den Fokus: Kakao und Zement. Zwei künstlerische Positionen zeigen bis Sonntag, 3. Januar 2027, dass beide viel gemeinsam haben. Es geht um Ausbeutung, Widerstand und Hoffnung. Die Ausstellung rückt Frauen als zentrale Akteurinnen in den Fokus und macht Mut zu Veränderungen.
1. Raum: Marcello Martinez Vega
Marcello Martinez: Vega el Pais del Cacao Land des Kakaos, 2022, (Foto: Federico Vespiniani)
Der aus Ecuador stammende und in Freiburg lebende Künstler Marcello Martinez Vega thematisiert in seiner Installation „el Pais del Cacao“ Kakao- Produktion in Ecuador. Kakao ist dort seit Jahrhunderten nicht nur Genussmittel und Exportschlager, sondern auch spirituelles Gut von großer kultureller Bedeutung. Martinez Vega verknüpft in seiner Präsentation historische und zeitgenössische Perspektiven auf Anbau, Verarbeitung und Vermarktung. Hierfür arbeitet er mit dem Projekt „Mashpi Chocolate“ im Nebelwaldgebiet des Anden-Chocó zusammen. Kakao wird dort in Agroforstsystemen kultiviert, wodurch Biodiversität und Böden geschont werden; zugleich stärken von Frauenkooperativen ausgehende Initiativen wirtschaftliche Unabhängigkeit und eröffnen faire Perspektiven vor Ort.
Dewi Candraningrum (Foto Patrick Seeger)2. Raum: Dewi Candraningrum
Den zweiten Raum hat die Wissenschaftlerin und Künstlerin Dewi Candraningrum aus Java, Indonesien, gestaltet. Sie beschäftigt sich mit dem Kalksteinabbau im Kendeng-Gebirge und den damit verbundenen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Der Widerstand von Frauen vor Ort, die sich mutig gegen die Zerstörung ihres Lebensraums wehren, steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Das Kendeng-Gebirge besteht aus einer Karstlandschaft mit unterirdischen Wasserreservoirs und Höhlensystemen. Der Abbau von Kalkstein für die Zementproduktion zerstört diese natürlichen Wasserssysteme, von denen viele umliegende Dörfer und landwirtschaftliche Flächen, die nicht an die staatliche Wasserversorgung angebunden sind, abhängig sind. Der Bau von Zementfabriken hat seit den 2010er-Jahren zu anhaltenden Konflikten mit lokalen Gemeinden geführt. Bekannt wurden die Proteste der sogenannten „Kartinis von Kendeng“, einer Gruppe von Frauen, die für den Schutz ihrer landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen kämpfen. Candraningrums Arbeiten machen diese ökologischen und sozialen Entwicklungen erfahrbar und stellen Fragen nach Verantwortung, Beteiligung und Gerechtigkeit. Um einen Perspektivwechsel anzustoßen, die museale Deutungshoheit bewusst zurückzunehmen und eine dekoloniale Ausstellungspraxis zu erproben, hat das Museum Natur und Mensch beide Räume komplett von den Künstlern kuratieren lassen.
3. Raum: Herkunft & Herstellung von Konsumgütern
Auch der dritte Raum, entwickelt vom Museums- und Vermittlungsteam, widmet sich Herkunft und Herstellung von Konsumgütern; es geht um Umweltschutz und den Einsatz für faire Arbeitsbedingungen. Auch in Freiburg tragen wir Verantwortung. Woher kommen unsere Waren, und wie können wir positive Veränderungen anstoßen? Eine Scan-Station informiert zu Ursprung und Herstellungsprozessen typischer Supermarktprodukte wie Schokocreme, Thunfisch oder Obstkonserven. Malvorlagen, eine Leseecke und eine Diskussionswand regen zum Nachfragen und Mitreden an. Der Raum vertieft die Themen der Sonderausstellung, lenkt den Blick auf Lieferketten und Zertifizierungen, gibt Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen des Museums und lädt zur Auseinandersetzung mit kultureller Aneignung ein.
INFO: Bis So 03.01.2027, Museum Natur und Mensch, Gerberau 32 , Freiburg.
Geöffnet: dienstags von 10 - 19 Uhr und mittwochs - sonntags von 10 -17 Uhr.
