KRITIK: Eleganter Schabernack in Dada-Manier…

Das Theater Harrys Depot präsentiert im Schloßpark Ebnet eine Montage von Tardie-Einaktern. Noch bis 9.10.

Sprache – anarchaisch-verspielt, dadaistisch ad Absurdum geführt, zu klingelnden Worthülsen ausgehöhlt, so dass sie auch im Schauspielkontext mehr Assoziationsgestöber als Sinn produziert. Wer an so was seine Freude hat, wird bei der zweiten Openair-Produktion vom Freiburger Theater „Harry, hol schon mal den Wagen“ schnell in alberne, hellwache Fröhlichkeit versetzt.
„Worte in Freiheit“, so der Titel des 75-minütigen Abends, zu dem Regisseurin Barbara Zimmermann fünf Einakter des französischen Dichters und Dramatikers Jean Tardieu (1903-1995) arrangiert hat.
Die offene Zehntscheuer im Ebneter Schlosspark bietet dafür ein originelles Ambiente. Die fünf Spielerinnen und Spieler tragen angestaubte Existentialisten-Kluft, über die sie sich bei rasenden Rollenwechseln immer wieder neue, schrill-witzige Kostüme und Kopfbedeckungen (Katja Weeke) werfen

Es ist eine Komödien-Satire als Mummenschanz, bei dem es ganz klassisch um Liebe, Eifersucht und dunkle Machenschaften geht. - Wobei, die eigentlichen Geschichten muss sich das Publikum frei Schnauze selbst zusammen rätseln, der Text bietet da nur Spuren. - Das macht Spaß, denn Cornelia Schmidt, Juliane Flurer, Perrine Martin, Jakob Stöckeler und Burkhard Wein laufen bei ihrem exaltierten Spiel mit Worten, Brüchen und Verwirrungen zu Höchstform auf und parodieren lustvoll Rollen und Klischees. So wie Oswald und Zénaide, die mächtig verklemmt und verknallt mit bedeutungsschwangeren Zwei-Wort-Sätzen herumstaksen, während sie das große Drama ihrer Gefühle und Befürchtungen wortreich dem Publikum erzählen...
Toll ist auch der Krimi „Der Ball auf dem Schloss oder die Selbstgespräche“, bei dem man das Geschehen nur hinter den Kulissen erlebt: Fröhlicher Tanz, plötzlicher Leichenfund des Schlossherren samt Geister-Erscheinung - sieht man alles nicht, dafür Blitzauftritte aufgescheuchter Menschen. Dabei brilliert Burkhard Wein als Detektiv Dubois-Dupont, Kammerdiener 1 und 2, während Juliane Flurer Baronin, Kammerzofe und amerikanisches Flintenweib gibt. Beste Clownerie! Richtig schräg wird es dann beim Stück „Ein Wort für das andere“ mit Cornelia Schmidt, Juliane Flurer und Burkhard Wein, deren geschliffene Nonsens-Dialoge vor verrückten Wortkreationen schwirren und wie ein bissiger Tourette-Anfall wirken. Weil nämlich Graf von Perleminouze nicht nur mit Lady Bretzel äpfelt, ist die schöne Blutwurst dahin und die Würzbrühe mächtig am kochen… Eleganter Schabernack in Dada-Manier…

Marion Klötzer

Info: Noch am 30.9., sowie 1., 2., 7., 8. und 9.10., jeweils 19 Uhr, Schlosspark Ebnet, Freiburg. Karten: 015 77-97 09 269. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Vorverkauf Buchhandlung Jos Fritz, Wilhelmstr.15


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